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Allgemein
26.1.2026

Neue Studie "Systemdienlichkeit von Großbatterien": Zwischen Marktlogik und Netzanforderungen

Lesedauer:
6 Min.

Großbatteriespeicher sind kein Zukunftsthema mehr. 2026 werden zunehmend mehr Anlagen in Deutschland in Betrieb genommen werden. Durch Ihre auf Marktpreisen basierende Fahrweise, leisten Sie schon heute einen Beitrag zu einem resilienten und nachhaltigen Stromsystem: Sie senken die Kosten der Stromerzeugung, reduzieren CO₂-Emissionen, stabilisieren Preise und ermöglichen eine bessere Integration von erneuerbaren Energien.

Gleichzeitig zeigt die neue Kurzstudie zur Systemdienlichkeit von Großbatterien von Neon Neue Energieökonomik, dass ein erheblicher Teil ihres Potenzials, insbesondere zur Senkung von Netz- und Redispatchkosten, bislang ungenutzt bleibt. Der Grund liegt nicht in der Technologie – sondern in den fehlenden regulatorischen Anreizen. Entscheidend zur Förderung von Netz- und Systemdienlichkeit von Speichern wäre ein ausgewogenes Regelwerk, dass schädliches Verhalten pönalisiert und gleichzeitig positive Anreize schafft, um den Nutzen des Speicherhochlaufs für alle Akteure spürbar zu machen.

Großbatterien schaffen messbaren volkswirtschaftlichen Mehrwert

Durch die Handelsgeschäfte an den Strombörsen leisten Großbatterien heute bereits genau das, was ein zunehmend erneuerbares Energiesystem braucht: Sie verschieben Strom von Zeiten des Überflusses in Zeiten der Knappheit. Wenn Batterien zu niedrigen Preisen laden und zu hohen Preisen entladen, sinkt das Preisniveau für alle Verbrauchergruppen: Günstige, oft erneuerbare, Erzeugung wird vermehrt genutzt, Flexibilitäten treten an die Stelle von teuren, meist fossilen, Spitzenlastkraftwerken.  

Eine separate Studie quantifiziert diesen Effekt eindrucksvoll: Eine einzelne Batterie mit 100 MW Leistung erzeugte im Jahr 2024 allein am Day-Ahead-Markt einen volkswirtschaftlichen Mehrwert von über 9 Millionen Euro. Hinzu kommen positive Effekte im Intraday-Handel sowie im Regelenergiesystem, wo Batterien dank ihrer schnellen Reaktionsfähigkeit und ohne Mindesterzeugung besonders effizient sind. Insgesamt führen sie zu geringerer Preisvolatilität, weniger Abregelung erneuerbarer Energien und sinkenden CO₂-Emissionen.

Fehlende geographische Komponenten in bestehenden Preissignalen für Batteriespeicher

Während die Einflüsse von Großbatterien auf den Strommärkten und Märkten für Systemdienstleistungen vollständig über Preise internalisiert sind, gilt das für die Auswirkungen ihrer Fahrpläne auf das Stromnetz bislang nicht. In der einheitlichen deutschen Strompreiszone sind Batterien – wie alle Marktteilnehmer – blind fürs Netz. Betreiber erhalten keine dynamischen Signale durch Netzbetreiber, ob ihr Fahrplan Rückwirkungen auf die Netzkosten im positiven wie im negativen Sinne hat. Die netzwirtschaftliche Betrachtung erfolgt nachgelagert im Rahmen des Redispatch, der eine kostenneutrale Fahrplananpassung auf Zuruf des Netzbetreibers im Fall von Engpässen bedeuten kann.

Die Studie zeigt: Im heutigen System wirken Großbatterien im statistischen Mittel bereits netzentlastend und senken die Redispatch-Kosten pro installiertem Kilowatt um mehrere Euro pro Jahr. Dieser Effekt ist jedoch nicht systematisch abgesichert. In einzelnen Situationen können Batterien Netzengpässe auch verstärken – nicht aus Fehlverhalten, sondern aufgrund fehlender Anreize. Damit bleibt ein erheblicher Teil ihres Senkungspotenzials für Netzausbau und Redispatch unerreicht.

Netzdienlichkeit braucht Klarheit – keine Instrumentenvielfalt

Vor diesem Hintergrund hat die politische Debatte um die „Netzdienlichkeit“ von Speichern zuletzt stark an Dynamik gewonnen. Diskutiert werden unter anderem differenzierte Netzentgelte, flexible Netzanschlussverträge, Einschränkungen der kurzfristigen Vermarktung oder neue technische Auflagen wie Leistungsgradienten.

Die Studie warnt jedoch ausdrücklich vor einer unkoordinierten Vielzahl solcher Einzelinstrumente und vor konkurrierenden Ansätzen unterschiedlicher Netzbetreiber. Eine solche regulatorische Disharmonie birgt das Risiko, dass der notwendige Hochlauf von Großbatteriespeichern zum Erliegen kommt, und nicht ausreichend Speicher in das Stromsystem integriert werden können. Eine Forderung nach netzdienlichem Verhalten ist daher nachvollziehbar, darf jedoch durch gezielte Maßnahmen die Wirtschaftlichkeit der Speicher nicht gefährden.

Besonders problematisch wäre dies, weil Großbatterien heute die einzige relevante Assetklasse sind, die vollständig ohne Subventionen auskommt. Eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen würde damit nicht nur die Energiewende bremsen, sondern auch industriepolitisch falsche Signale senden.

Abbildung: Der Mehrwert von Batterien im Stromsystem realisiert sich in Strommärkten und im Netz. Um die Netzdienlichkeit von Batterien zu bestimmen, muss zwischen Markt- und Netzdienlichkeit differenziert werden. Dies ist nicht eindeutig möglich.

Zielgerichtete Anreize statt pauschaler Verbote

Statt oft weitreichender Eingriffe braucht es ein konsistentes Instrumentenset, das gezielt dort ansetzt, wo Netz- oder Systemkosten entstehen. Eine zentrale Erkenntnis: Entscheidend ist weniger der Standort einer Batterie (‘Nord oder Süd’) als ihre Betriebsweise. Anreize wie Baukostenzuschüsse, die allein auf die Standortwahl Einfluss nehmen, greifen zu kurz. Wirksame Netzentlastung entsteht erst, wenn der Grad der Netzbelastung in die Fahrplanerstellung einfließt. Mithilfe von z.B. dynamisch-symmetrischen Netzentgelten könnten lokale Netzengpässe widergespiegelt werden und somit positive Anreize für Speicherbetreiber geschaffen werden, um aktiv zur Netzstabilität beizutragen.

Dafür braucht es:

  • regelgebundene, transparente Leitplanken statt willkürlichen Einzelfallentscheidungen,
  • Anreize, die netzschädigendes Verhalten begrenzen und netzdienliches Verhalten belohnen,
  • vorhersehbare, bewertbare Rahmenbedingungen, die Investitionssicherheit schaffen.

Netzdienlichkeit ist dabei kein Selbstzweck. Auch ein Speicher, der in bestimmten Situationen netzbelastend wirkt, kann volkswirtschaftlich sinnvoll sein, wenn sein Markt- oder Systemnutzen die zusätzlichen Netzkosten übersteigt. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn ein Speicher Regelleistung erbringt. Maßstab regulatorischen Handelns muss daher stets die Minimierung der Gesamtkosten des Energiesystems sein – nicht die isolierte Optimierung einzelner Teilbereiche.

Jetzt braucht es kluge Rahmenbedingungen

Die Studie bestätigt, was sich in der Praxis längst zeigt: Großbatteriespeicher sind bereits heute einer der wichtigsten Bausteine der Energiewende. Ihr Beitrag zu Versorgungssicherheit, Kosteneffizienz und Klimaschutz ist erheblich. Mit klug ausgestalteten, ökonomisch konsistenten Rahmenbedingungen kann dieser Beitrag weiter deutlich wachsen.

Kyon Energy setzt sich dafür ein, dass Batteriespeicher nicht nur schnell, sondern auch intelligent in das Energiesystem integriert werden. Entscheidend ist jetzt, die richtigen Weichen zu stellen, damit Speicher ihre Flexibilität dort entfalten können, wo sie den größten Nutzen für Markt, Netz und Gesellschaft stiften.

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